Gewitter über Dibbersen-

es braut sich was zusammen...

Zeitungsartikel / Echo

Kreiszeitung Thedinghausen
Kreiszeitung Thedinghausen

Thedinghausen/Samtgemeinde - Ein einheimischer Landwirt plant den Bau eines Schweinemaststalles mit 1292 Endmast- und 440 Ferkelplätzen samt Güllebehälter an der Straße „Dibberser Bahnhof“, auf dem freien Feld gegenüber Schröder-Gas (wir berichteten über das Vorhaben).

Der Thedinghauser Gemeinderat hat unlängst diesen Plänen, nach Aktenlage ein privilegiertes Vorhaben im Außenbereich, sein Einvernehmen erteilt.

 

Damit wollen sich die Anwohner jedoch nicht abfinden. Sie haben eine Bürgerinitiative gegen den Stallbau gegründet und trugen ihren Protest verbal und mit Plakaten auch in die Sitzung des Samtgemeinderates am Dienstagabend im Erbhofsaal.

Wenngleich dieses Gremium nur bedingt die richtige Anlaufadresse war (für das spezielle Vorhaben ist die Gemeinde zuständig) stellten Bürgermeister Gerd Schröder und SG-Ratsvorsitzender Axel Rott noch einmal klar. „Es gab keine andere Möglichkeit, als diesem Stallbau grünes Licht zu geben. Alle gesetzlichen Bestimmungen sind eingehalten. Das gilt auch, gutachterlich belegt, für den Ausstoß von Emissionen. Die Erschließung ist gesichert. Ganz davon abgesehen, ist bei den entscheidenden Punkten wie der Belastung der Bevölkerung durch die Emissionen, der Landkreis die prüfende und letztlich entscheidende Stelle.“

Diese Antwort erzürnte die anwesenden Stall-Protestler. Ihr Vorwurf an die Politik: Man müsse zwingend auch die Interessen der Bevölkerung im Auge behalten.

Mehrere Sprecher der Initiative brachten noch einmal ihre Argumente zur Sprache und präzisierten diese im Gespräch mit unserer Zeitung. Vor allem die Emissionen, die über den „Schornstein“ des Stalles in der Luft verteilt werden, erregten die Gemüter – dies umso mehr, als dass viele Wohnhäuser nur zwischen 400 und 900 Meter vom geplanten Stall entfernt stehen. Bettina Harsleben: „Die Keime, Sporen, Pilze und Bakterien können nachweislich krank machen. Dazu kommt natürlich der Gestank.“

Die Wohnqualität in dem Bereich, so der allgemeine Tenor, würde schwer in Mitleidenschaft gezogen – wozu auch der verstärkte Schwerlastverkehr beitragen würde. Dazu käme ein Wertverlust der Immobilien. Bettina Harsleben: „Aufgabe der Politik sollte es sein, dass sich die Leute hier wohlfühlen. Stattdessen werden Anreize zur Landflucht geschaffen.“ Mit Nachdruck hingewiesen wurde außerdem auf den Widerspruch zwischen dem Bemühen der Kommune, die touristische Attraktivität zu steigern und gleichzeitig stinkende Ställe zu befürworten.

Als äußerst problematisch wurde zudem die Nähe des geplanten Stalles zur Schröder-Gas-Betriebsstelle angesehen. Heiko Heese: „Das ist ein ausgewiesenes Gefahrengebiet. Es hat durchaus schon Fälle gegeben, in denen es in Ställen über die Methangasdünste zu Bränden gekommen ist. Das könnte direkt neben Schröder-Gas katastrophale Auswirkungen haben.“

Kritisch beleuchtete die Initiative, die auch in Kontakt mit einer ähnlichen Initiative in Holtorf steht, die Situation in der Samtgemeinde. „Hier gibt es mittlerweile schon 70000 Schweine. Jetzt reicht es.“

Deutlich gemacht wurden auch die grundsätzlichen Vorbehalte gegen die Massentierhaltung. So wurden unter anderem die enorme Gülleausbringung mit Blick auf die Grundwasser-Belastung sowie die über das Fleisch „übertragene“ Antibiotika-Resistenz ins Feld geführt.

Moniert wurde zudem, dass der Dibberser Schweinestall ohne Spezialfilter betrieben werden soll. Filter könnten einen Großteil der Emissionen absorbieren.

Der antragstellende Landwirt Henning Arndt erklärte dazu auf unsere Nachfrage: „Wir haben alle Auflagen erfüllt und bei der Antragstellung berücksichtigt. Diese Filter würden für uns schon bei der Installation enorme Kosten von rund 100000 Euro verursachen. Dazu käme eine deutliche Steigerung bei den laufenden Kosten, etwa bei Strom und Wasser. Die ganze Sache liegt jetzt beim Landkreis und dieser muss über die Ordnungsmäßigkeit des Antrages entscheiden. Sollte der Landkreis von uns den Einbau einer Filteranlage verlangen, würden wir diese Auflage wohl erfüllen. Aber an dem Bauvorhaben halten wir als Teil unserer Existenzsicherung natürlich grundsätzlich fest.“

Die Entscheidung des Landkreises dürfte frühestens in einigen Monaten fallen.

Die Bürgerinitiative plant weitere Aktivitäten.

 

Achimer Kreisblatt

Konsequent gegen Schweinemast
Elisabeth Hintze
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Neuer Ärger um geplanten Schweinestall
Elisabeth Hintze
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